Ein Mann, der Falkensee prägte: Zum 150. Geburtstag von Ernst Freimuth, Falkensees erstem Bürgermeister
Am heutigen 26. August jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Ernst Freimuth, dem ersten Bürgermeister der Gemeinde Falkensee. Aus diesem Anlass erinnert die Stadt Falkensee an einen Mann, der die Entwicklung Falkensees in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Zur Würdigung seines Andenkens legten Bürgermeister Heiko Richter und die beiden Altbürgermeister Jürgen Bigalke und Heiko Müller einen Kranz am Grab der Familie Freimuth auf dem Friedhof an der Kremmener Straße nieder.
Wer war Ernst Freimuth?
Er wurde 1876 als Sohn einer Fischerfamilie in Werder geboren. Nach seinem Dienst als Soldat im Deutschen Kaiserreich schlug er eine Beamtenlaufbahn ein. Im Jahr 1912 war er zunächst im Landratsamt Nauen im Kreis Osthavelland tätig, bevor er noch im gleichen Jahr nach Falkenhagen versetzt wurde.
Im Alter von 36 Jahren übernahm Freimuth 1912 die Amtsgeschäfte der Gemeinde Falkenhagen. Der Ort stand zu diesem Zeitpunkt vor großen Veränderungen: Die kommunalen Aufgaben wuchsen, die Einwohnerzahl nahm zu und mit ihr die Anforderungen an eine leistungsfähige Verwaltung. Freimuth verstand diese Entwicklung nicht als Belastung, sondern als Chance. Er setzte Impulse, die Falkenhagen auf dem Weg zu einer modernen und leistungsfähigen Kommune voranbrachten. Am 8. August 1917 ernannte ihn der Landrat daher zum Amtsvorsteher des Amtsbezirkes Falkenhagen. Damit wurden ihm auch weitere umliegende Gemeinden sowie die Landgendarmerie unterstellt.
Freimuth erkannte früh, dass die bestehenden Amtsräume an der heutigen Bredower Straße den Anforderungen einer modernen Verwaltung nicht mehr gerecht wurden. Auf seine Initiative hin entstand 1918 der erste Teil des Rathauses an der Falkenhagener Straße, das bis heute genutzt wird. Dort befanden sich neben den Verwaltungsräumen auch seine privaten Wohnräume. Fünf Jahre nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Seegefeld und Falkenhagen im Jahr 1923 wurde das Rathaus bereits zu klein und musste erweitert werden. Mit dem sogenannten Westflügel entstanden im Jahr 1928 unter anderem der Rathaussitzungssaal und die charakteristische Turmuhr.
Fast zwei Jahrzehnte lang wirkte Ernst Freimuth für die Gemeinde Falkensee. In seine Amtszeit fielen wichtige Entwicklungsschritte auf dem Weg zur modernen Kommune: Falkenhagen wurde mit Gas, Wasser und Elektrizität versorgt. Verkehrsanbindungen sowie die Ansiedlung von Ärzten, Apotheken und Banken sorgten für eine Infrastruktur, die zunehmend der einer Kleinstadt entsprach.
Auch für das Erscheinungsbild des Ortes soll Freimuth ein besonderes Gespür gehabt haben. Überliefert ist, dass er bei seinen abendlichen Spaziergängen durch Falkenhagen Plätze festlegte, an denen Bäume gepflanzt werden sollten. Damit prägte er nicht nur die Verwaltung und Infrastruktur, sondern auch das Ortsbild.
Ernst Freimuth blieb bis zum Jahresende 1933 im Amt und war damit der Bürgermeister mit der bislang längsten Dienstzeit. Insgesamt stand er 21 Jahre an der Spitze der Gemeinde.
Am 24. Oktober 1941 verstarb Ernst Freimuth. Seine Ehefrau Elise verstarb am 7. Februar 1973. Das Grab der Familie befindet sich auf dem städtischen Friedhof an der Kremmener Straße.
Mit der Kranzniederlegung am 26. August wird an den ersten Bürgermeister der Gemeinde Falkensee und seinen langjährigen Einsatz für die Entwicklung des Ortes erinnert. Sein Wirken hat Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind und auch mehr als 80 Jahre nach seinem Tod an ein wichtiges Kapitel der Geschichte Falkensees erinnern.
Bürgermeister Heiko Richter: „Wer Falkensee heute betrachtet, begegnet an vielen Stellen noch den Spuren der Arbeit von Ernst Freimuth. Sein Wirken steht für den Mut, eine Gemeinde weiterzudenken und Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen. Das Rathaus, die Infrastruktur und die Entwicklung Falkensees zu einer modernen Kommune sind eng mit seinem Namen verbunden. Daran wollen wir erinnern und ihm unseren Respekt erweisen.“



