Grußwort des Bürgermeisters zum Tag der Deutschen Einheit
Liebe Falkenseerinnen und Falkenseer.
wir begehen heute 35 Jahre Deutsche Einheit! Unsere Stadt an der Nahtstelle von ehemals „Ost und West“ wirkt wie im Brennglas dieses Ereignisses. Das Zusammenwachsen unseres Landes gestaltet sich so hautnah kaum anderenorts wie bei uns. Allein das Wachstum vom ca. 21.000 auf inzwischen fast 47.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf einer flächenmäßig nicht vergrößerten Stadt ist einmalig in dieser Republik.
Dazu möchte ich uns alle beglückwünschen, weil schon vieles erreicht wurde!
Für mich persönlich ist dieser Tag mit nachhaltigen Erinnerungen verbunden. Ich war im Herbst `89 selbst „auf der Straße“ und habe diese Zeit sehr emotional, teilweise auch ziemlich schmerzhaft in Erinnerung. Bei einer Demonstration im Oktober 1989 (fast auf den Tag genau vor 36 Jahren), in der Falkenseer Hansastraße, hatte die damalige Staatsmacht keine verbalen Argumente mehr, wusste sich aber „anderweitig zu helfen“. Ich empfinde es heute als Privileg, die Ereignisse im Falkensee dieser Zeit, die folgende Aufarbeitung dieser Geschehnisse und meine Erfahrungen von damals als Zeitzeuge im „Museum und Galerie“ weitergeben zu dürfen. Damit kann ich einen Betrag dafür leisten, diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dass sich diese Geschichte letztlich dahingehend entwickelt hat, Ihnen heute als Bürgermeister zu diesem, unseren gemeinsamen Feiertag gratulieren zu dürfen, war damals nicht absehbar, fühlt sich manchmal noch unglaublich und doch irgendwie auch richtig an.
Aktuell wird der 35. Jahrestag der deutschen Vereinigung trotz vieler Freude und Feierlaune oftmals jedoch auch kritisch hinterfragt. Noch immer fühlen sich einige Menschen nicht angekommen im vereinigten Deutschland. Inzwischen leben schon zwei Generationen von jungen und jüngeren Menschen in unserer Stadt, lernen, leben und lieben in Falkensee, für die ein geteiltes Deutschland nur in den Geschichtsbüchern, nicht aber in ihrer persönlichen Erinnerung existiert.
Als Bürgermeister fühle ich mich allen Menschen in unserer Stadt verbunden und verpflichtet. Ich sehe den Tatendrang und Enthusiasmus vieler junger Leute, die eine Welt voller Möglichkeiten vor sich haben, höre aber auch einige ältere aus ehemals „Ost und West“, die sich nicht verstanden und mitgenommen fühlen. Dazwischen ist Platz für viele Töne, die mich täglich motivieren, Gemeinsamkeiten zu finden und zu stärken. Auch Unterschiede können hierbei durchaus helfen, denn wir hier in Falkensee haben die Möglichkeit, die positiven Erfahrungen verschiedener Biografien zu nutzen und einfließen zu lassen. So können und werden wir auch weiterhin unser prosperierendes Gemeinwesen entwickeln, das uns allen am Herzen liegt.
Ich bin mit dem Motiv „Es geht nur gemeinsam!“ in mein Amt gestartet, überzeugt von dem Gedanken, dass es über die Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg gelingen kann, unsere wunderbare Stadt jeden Tag noch ein bisschen wunderbarer zu machen. Davon bin ich immer noch überzeugt – auch trotz der Tatsache, dass wir in einer Situation leben, in der wieder Krieg in Europa herrscht und dass alte Gewissheiten ins Wanken geraten.
Lassen Sie uns den Feiertag besinnlich begehen. Lassen Sie uns gedanklich an den Händen fassen und uns versuchen vermeintliche Gräben zu überwinden.
Ich wünsche allen Falkenseern, ihren Familien und allen für sie wichtigen Menschen einen frohen 35. Tag der Deutschen Einheit. Lassen Sie uns diese Einheit auch zukünftig gemeinsam leben und gestalten!
Ihr Bürgermeister Heiko Richter



