Barrierefreiheit ist Pflicht, keine Kür: Falkensee diskutierte beim Runden Tisch Inklusion über die Stadt der Zukunft
Wie sieht eine Stadt aus, in der alle Menschen selbstbestimmt leben und sich bewegen können? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Runden Tisches Inklusion, zu dem die Stadt Falkensee am 23. September 2026 geladen hatte. Begleitet von Dolmetschenden für Deutsche Gebärdensprache und Leichte Sprache diskutierten Bürgerinnen und Bürger, Beiräte, Stadtverordnete und Fachleute über die Gegenwart und die Zukunft der Barrierefreiheit in der Kommune. Die Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte der Stadt, Juliane Wutta-Lutzmann, betonte zu Beginn, dass die barrierefreie Teilhabe fest im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) verankert sei. Sie versicherte, die Impulse des Abends direkt in das Baudezernat der Verwaltung einzubringen.
Den fachlichen Rahmen setzte hiernach die zertifizierte Sachverständige für Barrierefreiheit, Dipl.-Ing. Anja Möller. In ihrem Vortrag machte sie deutlich, dass eine barrierefreie Mobilitätskette – also die lückenlose Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel und Fortbewegungsarten, um von einem Startpunkt an einen Zielort zu gelangen – bereits ab der allerersten Planungsphase mitgedacht werden und auch in allen weiteren Schritten berücksichtigt werden muss. Auch in anderen Bauvorhaben müsse die ungehinderte Teilhabe aller die Grundlage für alle weiteren Schritte sein. Mit Verweis auf die 2009 von Deutschland unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention, das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und andere gesetzliche und normative Grundlagen räumte sie mit einem verbreiteten Vorurteil auf: „Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht. Sie ist Pflicht und keine Kür. Wird sie von Anfang an intelligent eingeplant, muss sie durchaus nicht einmal teurer sein.“ Im Rahmen ihres Vortrags stellte Anja Möller einige Beispiele für inklusive Lösungen aus ihrer beruflichen Praxis vor. Zudem verwies sie auf die im April 2024 eingerichtete Beratungsstelle für Bauliche Barrierefreiheit im Land Brandenburg. Angesiedelt im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, berät die Stelle kostenlos private und öffentliche Bauherrinnen und Bauherren sowie weitere Baubeteiligte wie Behindertenbeauftragte oder Planungsverantwortliche zu Fragen des barrierefreien Bauens (Erstberatung mit max. 5 Stunden).
In der anschließenden lebhaften Diskussion forderten die Teilnehmenden vor allem mehr Transparenz und eine frühere Beteiligung. Zwar wurde die gelungene Zusammenarbeit von Bauverantwortlichen und Zielgruppe bei Projekten wie der Seniorenwohnanlage Falkenhorst und die grundsätzliche Beteiligung der städtischen Beiräte bei kommunalen Planungen gelobt, doch fehle bei anderen Bauvorhaben oft die Rückmeldung, warum Bürgervorschläge nicht umgesetzt wurden. Als positives Beispiel für die Zukunft wurde das noch in Entwicklung befindliche Kinder- und Jugend-Beteiligungskonzept der Stadt genannt, dessen feste Leitlinien als Vorbild für die Beteiligung aller Generationen dienen könnten.
Gleichzeitig legten die Teilnehmenden den Finger in offene Wunden: Kritisiert wurde unter anderem der zögerliche barrierefreie Umbau im privaten Wohnungsbestand – etwa das Fehlen visueller Klingelanlagen für gehörlose Menschen. Auch wurde der Wunsch nach einem kommunalen Bürgersteigkataster geäußert, um vorhandene Gehwege systematisch zu sanieren. Das Fazit des Abends war eindeutig: Falkensee ist auf dem richtigen Weg, doch für eine echte, barrierefreie Stadtentwicklung müssen Verwaltung, Planungsverantwortliche und private Objektverantwortliche noch enger und spürbar früher mit den Betroffenen an einem Tisch sitzen. Wichtig für das Gelingen ist dabei auch eine fachliche Ausschreibung und Begleitung zur Barrierefreiheit in den Leistungsphasen eines Bauprojektes.
Die nächste Veranstaltung findet voraussichtlich im Frühjahr 2027 statt. Dann dreht sich alles um das Thema "Barrierefreie Kommunikation".



