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Brandenburg vernetzt
 

ERöffnungsveranstaltung


Frauenperspektiven
Demografischer Wandel und Abwanderung
Möglichkeiten den Landkreis für junge, gut ausgebildete Frauen als Wohn- und Arbeitsort attraktiver zu machen.

 

Im Land Brandenburg kommen auf 100 Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren 112 gleichaltrige Männer. Im Havelland gibt es besonders im westlichen Teil schon Regionen mit einem „Männerüberschuss“ von 130 und mehr Männern auf 100 Frauen. Mehr Mädchen als Jungen schließen die Schule mit dem Abitur ab. Standorte ohne weiterführende Ausbildungsmöglichkeiten verlassen Sie und kehren mangels attraktiver Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten nur selten zurück. Angesichtes dieser Zahlen und Fakten griffen die Gleichstellungsbeauftragten im Havelland dies als zentrales Thema für die Brandenburgische Frauenwoche 2012 auf. In Zusammenarbeit mit dem Demografieprojekt des Landkreises organisierten sie eine Fachveranstaltung zum Thema mit Vorträgen, Lesung und Podiumsdiskussion im Schloss Ribbeck.

 
Anja Manz und Ingrid Kaech

                                   Anja Manz und Ingrid Kaech

Mit ihrer szenischen Lesung „Weit über Land“ führten Anja Manz und Ingrid Kaech künstlerisch in die Thematik ein. Die Autorinnen befassen sich literarisch mit dem Phänomen Abwanderung. Sie präsentierten eine Collage aus Interviews, Eindrücken und Fakten. Ihre Worte ließen sie durch an die Wand projizierte Bilder der havelländischen Künstlerin Ulrike Hogrebe untermalen. Das beeindruckte Publikum hörte nachdenkliche Texte gespickt mit witzigen Passagen und vielen Informationen über das, was Abwanderung bei den betroffenen Menschen auslöst – sowohl bei denen, die gehen, als auch bei denen, die zurück bleiben. 

 

Kröhnert                                         Dr. Steffen Kröhnert

 

Drei Impulsreferate bereiteten die Podiumsdiskussion inhaltlich vor. Zunächst gab Dr. Steffen Kröhnert vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung einen allgemeinen Überblick über den demografischen Wandel im Land Brandenburg. Es folgte ein Vortrag des Vereins „Zu Hause in Brandenburg“, der sich für die Rückkehr von Fachkräften in die Heimatregion engagiert. Anschließend wurde der Verein Bildungsbrücke "Jugend und Innovation  Havelland" vorgestellt. Studierende sowie Schülerinnen und Schüler entwickeln hier gemeinsam mit lokalen Unternehmen und Forschungseinrichtungen neue Technologien für die Unternehmenspraxis.

 

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Die Podiumsdiskussion eröffneten Studierende und eine Schülerin aus dem Havelland, unter ihnen Mitglieder des Vereins Bildungsbrücke. Besonders für diese explizit rückkehrwilligen Studierenden aus dem Berlinfernen Havelland ist das Projekt ein entscheidender „Anker“ zur Heimat. Sie haben hier einen außerfamiliären Anlaufpunkt, durch den sie mithilfe fachbezogener Projekt mit den örtlichen Unternehmen in Kontakt kommen. Es gab aber auch eine aus dem Havelland stammende Studentin, die von der Uni Konstanz angereist war, weil es den sie interessierenden Studiengang in Brandenburg nicht gibt. Hierfür Lösungen aufzuzeigen, gelang auch im Rahmen der Veranstaltung nicht. Die Diskussionsteilnehmenden aus Politik, Schule, Gesundheitsunternehmen und sozialen Trägern machten in ihren Beiträgen aber deutlich, dass die Problematik Abwanderung als solche erkannt wurde und angegangen wird, z.B. durch familienfreundliche Maßnahmen, Ausbau der Randbetreuung für Kinder sowie Schaffung von Anreizen für Rückkehrwillige schon in der Schulzeit.

Text und Bild: Stephanie Reisinger, Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Havelland 
 
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Frauengeschichte
Gertrud Kolmars „Susanna“ wurde lebendig
Sophie Rois begeisterte in Falkensee

Ein liebliches, sehr fantasievolles Kind, eine ältere, um den Seelenfrieden des Mädchens besorgte Erzieherin, eine unerfüllte Liebesgeschichte – die Erzählung „Susanna“ von Gertrud Kolmar bietet eine spannende, äußerst gefühlvolle und auch traurige Handlung. Genau diese wurde bei der Lesung des Werkes im März 2012 im Falkenseer Rathaussitzungssaal lebendig.
 
Die bekannte Film- und Theaterschauspielerin Sophie Rois trug Gertrud Kolmars Erzählung in Auszügen vor und faszinierte die rund 100 anwesenden Zuhörer. Eine gute Stunde lang hingen sie an den Lippen der aus Österreich stammenden Schauspielerin mit der markanten Stimme, die erst kürzlich den Theaterpreis Berlin für „ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater“ erhielt. Vielen ist sie unter anderem von ihren Rollen in „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ sowie dem Kinofilm „liegen lernen“ bekannt.
 
Sophie Rois schaffte es, ohne große theatralische Gesten und Effekte eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen, die Gertrud Kolmars bilderreiche und expressive Sprache perfekt in Szene setzte. Die Autorin, die zwischen 1923 und 1938 in Falkensee lebte und hier den Großteil ihres Werkes schuf, hatte die Erzählung „Susanna“ zum Jahreswechsel 1939/1940 über mehrere Wochen zu Papier gebracht. Da sie tagsüber Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten musste, entstand die Geschichte meist nachts. „Ein bemerkenswertes Werk, nicht nur wegen seiner Entstehungsgeschichte. „In ‚Susanna‘ schwingt auch ein wenig Erotik mit, es ist eine sehr gefühlvolle Erzählung“, stimmte Gabriele Helbig, Leiterin des Museums und der Galerie Falkensee, das Publikum zu Beginn ein. Sie hatte die Auszüge aus „Susanna“ für Sophie Rois und die Lesung zusammengestellt.

 

Die Veranstaltung bildete den Abschluss der Brandenburgischen Frauenwoche 2012 im Havelland, durch die sie auch finanziell möglich gemacht wurde. Außerdem fand sie im Rahmen der internationalen Fachtagung „Getrud Kolmar übersetzen – Theorie und Praxis“ statt, die 30 Literaturübersetzerinnen und -übersetzer in Falkensee zusammenbrachte und an Gertrud Kolmars Texten arbeiten ließ. Viele Fachtagungsteilnehmende ließen es sich natürlich nicht nehmen, „Susanna“ im Original zu lauschen und zeigten sich begeistert von dem Vortrag. Sophie Rois genoss ihren Auftritt in Falkensee: „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, hier zu lesen, ich war absolut drin in der Geschichte“, erklärte die beliebte Schauspielerin. Wenn es wieder eine Gelegenheit gibt, so freue sie sich auf ein Wiedersehen mit den Falkenseerinnen und Falkenseern.

 

Text und Bilder: Marie Fredrich, Pressestelle Stadt Falkensee