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Hier wohnte Franz Mallast

Falkensee, den 18. 11. 2009
Schweigend und konzentriert verrichtete Künstler Gunter Demmig sein Werk. Schweigend und mit großer Anteilnahme verfolgten Falkenseerinnen und Falkenseer sein Tun, die Verlegung des Stolpersteines, der an Franz Mallast erinnern soll. Begleitet wird Demmig von den Worten von Tobias Bank. Er stellt den Anwesenden den Menschen Franz Mallast vor; zumindest das, was man über ihn weiß, was über ihn zu erforschen war. Bank versicherte als Vertreter der Stolpersteingruppe Falkensee den eingeschlagenen Weg weitergehen zu wollen, mit Gunter Demmig an der Seite. Bürgermeister Heiko Müller bezeichnete die Aufarbeitung des Themas durch die Gruppe als eine sehr wichtige Arbeit. "Zu Wort melden war früher tödlich" und so etwas darf nicht vergessen werden. Den Blick für vergangene Zeiten öffnen, sei das Ziel der Gruppe, so Klaus Pierow, der die Gruppe von Beginn an leitete und begrüßte deswegen umso herzlicher die anwesenden Mütter mit ihren Kindern. Die Gruppe wird weiterarbeiten, auch wenn er den Vorsitz nun  niederlegen wird, verspach Pierow. Und so ganz wird auch er sich nicht zurückziehen. Er bleibt der Gruppe treu und will sich verstärkt der Forschungsarbeit widmen.

Der Künstler Gunter Demmig erinnert mit seiner deutschlandweiten Aktion an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten freigewähltem Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig einlässt. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" und deswegen hält Demmig mit den Steinen vor den Häusern die Erinnerungen an die Menschen lebendig, die ein hier wohnten. Mittlerweile hat Falkensee 11 dieser Stolpersteine. Die ersten sind 2007 verlegt worden. Sie tragen die Namen von Menschen, die einst in Falkensee gewohnt haben und in den 30er oder 40er Jahren aufgrund des Glaubens, der Herkunft oder der politischen Überzeugung misshandelt oder ermordet wurden. Die Steine wurden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort in den Bürgersteig eingelassen. Weitergehende Infos finden Interessierte unter wwww.stolpersteine-falkensee.de. Wer mitmachen möchte, kann u.a. über das Heimatmuseum, 03322 22288 Kontakt zu der Gruppe erhalten.

 

Franz Mallast wurde am 29. November 1879 in Eichhorst nahe Neubrandenburg im Hause der Eltern Wilhelm und Emilie Mallast geboren. Franz Mallast war von Beruf Revierförster und Mitglied der evangelischen Kirche. Nach seiner Verhaftung wurde er zunächst in das berüchtigte Gestapo-Gefängnis im Columbia-Haus in Berlin-Tempelhof mit der Häftlingsnummer 6399 gebracht und in Zelle 155 eingesperrt; und er blieb dort vermutlich bis zur Auflösung dieses berüchtigten Konzentrationslagers im Jahr 1936. Danach verliert sich zunächst seine Spur, erst im Januar 1943 taucht sein Name mit der Häftlingsnummer 057530 im KZ Sachsenhausen wieder auf. Dort wurde Franz Mallast am 2. März 1943 ermordet. Als Revierförster kann Franz Mallast als ein Beispiel für den breiten gesellschaftlichen Widerstand gegen die deutschen Faschisten gelten. Da im KZ Columbia-Haus sehr viele prominente politische Widerstandskämpfer eingesperrt, verhört und gefoltert wurden, kann vermutet werden, dass Franz Mallast aus politischen Gründen verfolgt, zunächst dort eingesperrt und schließlich im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Sein letzter bekannter frei gewählter Wohnort im Falkenkorso 40 erinnert nun an ihn.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Hier wohnte Franz Mallast

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